Mittwoch, 15. Februar 2012

Indien light


Der Tag beginnt, als wir landen. Der Flughafen wirkt verschlafen und auch die Menschen hier sind viel weniger aggressiv als in Mumbai. Indien light quasi. Bei angenehmen 25 Grad lasse ich lässiglocker (meinen Südostasienerfahrungen sei Dank) alle Taxischlepper links liegen, bestelle mir einen Wagen und… ja wohin eigentlich? Mein Lonely Planet war die ganze Zeit gut in meinem Rucksack verstaut, wodurch ich keine Chance hatte, eine Unterkunft raus zu suchen. Also krame ich in meinem Gedächtnis - wie war das noch: Anjuna, die Touristenhochburg, weiter südlich wird’s langweilig und im Norden liegt Arambol, die perfekte Symbiose aus echter Natur und menschenfreundlicher Infrastruktur. Arambol also, los geht’s. Mein Taxifahrer gibt mir während der Fahrt eine kleine Stadtführung, ich höre nicht zu. Zu schön ist die Landschaft, die in dichten, dicken Nebel getaucht ist, es sieht aus wie Schnee. Die Sonne geht langsam auf und wäre da nicht mein Taxifahrer, der eine 90-Grad-Kurve mit ebenso vielen Sachen nimmt (physikalisch unmöglich? Nein, hier nicht.) , könnte ich es fast genießen. Stattdessen verfolge ich atemlos die indischen Fahrkünste und schicke Stoßgebete Richtung Himmel, man möge mich diese Tortur überleben lassen. 

Um Punkt 7 Uhr wird zu allem Überfluss die Straße voll - mit Schulkindern, an denen wir mit Lichtgeschwindigkeit vorbeirauschen und den heiligen Kühen, die so heilig nicht sein können, wenn man sie so rücksichtlos von der Straße drängt. Aber Zeit ist Geld, so auch hier in Indien. Wir fahren gut eine Stunde durch die atemberaubende Natur, mein Fahrer veranstaltet dabei ein unerhörtes Hupkonzert und rast frei nach dem Motto „wer bremst, verliert“, die von Schlaglöchern übersäte Straße entlang. Dieses Fahren scheint normal zu sein und langsam komme ich auch hinter den Code: einmal hupen heißt, achtung, bin hinter dir, mach Platz; zweimal hupen - jetzt überhole ich, lass dir ja nicht einfallen, auszuscheren; dreimal hupen gleicht einem „Du bist einfach zu langsam, Doofkopp“. Und wenn kein Auto auf der Straße ist, auch keine Kuh und kein Kind, wird trotzdem gehupt, der Form halber.

An der Hauptstraße schmeißt er mich raus, wünscht mir viel Glück und lässt mich in einer Staubwolke stehen. Der Ort erwacht gerade zum Leben, die Verkäufer und Betreiber öffnen ihre Läden; aus der rotgrauen Straße wird ein farbenfrohes Durcheinander, ein Gewusel, Chaos pur. Und ich stehe dort mit meinem schweren Rucksack und einem leicht dümmlichen Gesichtsausdruck, der meiner Hilflosigkeit geschuldet ist. Nun, von nix kommt nix, ich marschiere los und frage nach einem Guesthouse. Werde sofort in einen Hinterhof escortiert, wo mich ein kleiner, zahnloser und herzensguter Inder begrüßt. Er ist der Vater der Familie, die die Bungalows betreibt und nimmt mich liebevoll auf. Endlich schlafen. Glückseligkeit. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen