Schon der Weg in dieses verrückte Land war die Reise wert. Die Samstagnacht wurde durchgemacht, um morgens Punkt 4 den Flieger nach Frankfurt zu nehmen. Von dort sind es nur 7 Stunden Flug, aber natürlich erst nach einem quälend langen Aufenthalt von 5 Stunden. Ich sitze also völlig verstrahlt und totmüde im Flugzeug Richtung Mumbai und denke mantraartig: „Obacht bei der Sitzplatzwahl“. Ich habe es wirklich nicht besonders gut getroffen, aber wer kann das ahnen. Links von mir ein junger Inder, der erstaunlich viel Platz zwischen seinen Beinen braucht, sodass ich mich nach rechts verlagere, wo wiederum ein großer Pole sitzt. Dieser ungehobelte Mann hat es sich offenbar zur Aufgabe gemacht, mich zu tyrannisieren oder wenigstens betrunken zu machen. Da ich seine Einladung auf „ein Schlückchen Wodka“ ablehne, versucht er es mit anderen, unlauteren Methoden: Dazu legt er seinen Bier/Wodkabauch auf meine Armlehne und feiert irgendetwas Polnisches mit seinen Landsleuten, Marke Klitschko, in der Reihe hinter uns. Lautstark. Mit jeder Flugmeile betrunkener, auch ich. Immerhin pustet er mir seit 4 Stunden seine Fahne ins Gesicht.
Ich, mittlerweile benebelt und den Tränen nahe, nehme hilfesuchend Kontakt zu meinem Inder auf, der zwar immer noch viel Platz braucht, aber wenigstens besser riecht. Er weiht mich schon mal in die Kunst des indischen Essens ein, was in einem Desaster endet, weil ich sein Englisch nicht verstehe und die Körnchen, die für die Munderfrischung gedacht sind, in meinen Joghurt rühre.
In Mumbai angekommen bin ich in einem deliriumartigen Zustand, so durcheinander, trunken und müde, dass ich den nun kommenden Tücken der indischen Kultur kaum gewachsen bin. Dem Passkontrolleur erzähle ich dummerweise etwas von meiner „journalistischen Tätigkeit“, was ihn natürlich skeptisch macht und er mich daraufhin 15 Minuten lang ausquetscht. Nun glaubt er, ich schreibe über Tiere und Orchideen. Meinetwegen. Ich stehe am Gepäckband und bereue meine Kleiderwahl. Lüsterne Blicke ziehen mich aus, mein Rucksack, wo ist mein verdammter Rucksack! Da kommt er, ich reiße ihn vom Band, schubse ein paar Kinder um und renne auf die Toilette, wo ich mich umziehe. Ein bodenlanges Kleid, eine weite Jacke darüber, ein Kopftuch. Soll mir keiner vorwerfen, ich würde die Bräuche nicht achten. Bin dann allerdings die einzige im Flughafen mit Kopftuch.
Im Übrigen hilft es auch nicht; schon der alte Mann im Wechselgeldschalter zwinkert mir verschwörerisch zu und kneift mir in den Finger, als ich die Rupien entgegen nehme. Ich seufze. Noch 4 Stunden in diesem Löwenkäfig, bis mein Flug nach Goa geht.

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