Montag, 5. März 2012

Reisen - made in India

Es hat wieder angefangen zu kribbeln. Dieses Pulsieren in den Fuessen, ich kenne es nur zu gut. Mehr als zwei Wochen an einem Ort. Es war gut, es ist genug. Ich musste weiter.


Die Entscheidung faellt von allein; man mag es spontane Eingebung nennen, Ueberdruss oder Schicksal - manchmal weiss ich selbst nicht, was mich so umtreibt. Panjim soll es sein, Goas Hauptstadt. Nach dem morgendlichen Strandspaziergang rolle ich meine Sachen zusammen (man hat auf wundersame Weise mehr Platz, wenn man sie rollt; hab ich bis heute nicht verstanden...) und stehe planlos mit meinem "brickloaded backpack" (Zitat Taxifahrer) auf der Strasse, wie immer voellig unvorbereitet. Der Bus nach Panjim faehrt sonntags nicht, also bringt Jay mich in den naechsten Ort, was ihn natuerlich freut; meine Begeisterung sich hingegen in Grenzen haelt, da sein Taxi in diesem Fall ein Motorrad ist. Ohne Helm (selbstredend), ohne Sonnencreme in meinem eh schon verbrannten Gesicht (typisch), dafuer mit 100 Sachen ueber die Schlagloecher (obligatorisch) fahren wir nach Mapsa, wo Jay mich mitten im Busbahnhofgewimmel absetzt. Tschuess Ruhe, auf Nimmerwiedersehen Entspannung, willkommen im Chaos made in India.


Ich kann Jay gerade noch sein Geld zustecken, bevor ich von der Menschenmasse weggetragen werde. Es ist unsagbar laut, die gut 50 Busse hupen in einem fort, alle schreien durcheinander, ich bin bereit, die ABC-Schutzhaltung einzunehmen. Pogen auf dem Hurrican zu Pennywise ist nichts hiergegen.


Wie man in diesem kriegsaehnlichen Zustand den richtigen Bus findet? Ohne Haltestelle, Schilder, Fahrplaene (an die sich niemand haelt), geschweige denn Busnummern? Genau hinhoeren! Das Reiseziel erfaehrt man einzig durch die Busfahrer, die es aus dem Fenster bruellen, wahrend sie im Schritttempo Kreise drehen. Das ganze hat tatsaechlich System (made in India), fuer mich deutsche Kartoffel gleicht es einer komplizierten mathematischen Formel... aber ploetzlich droehnt es "PANJIM' in mein Ohr - ich stolpere in den fahrenden Bus; die Baender meiner Tasche verhaeddern sich an der Tuer, ich verliere einen Flipflop und stosse mich boes an der Schulter. Hmpf.


Seltsam. Auf der rechten Seite draengen sich die Inder eng zusammen, links ist alles frei. Schon komisch diese Leute, denke ich und freu mich ueber so viel Platz, auf dem ich mich breit mache. Als die pralle Mittagssonne waehrend der Fahrt auf mich niederbrennt, erschliesst sich dann auch mir die Logik dieser Sitzordnung. Eine halbe Stunde brutzele ich auf den klebrigen Plastiksitzen und versuche unablaessig, meine "zweite Haut", wie ich sie liebevoll nenne, abzuwischen: Abgase, Staub, Sand und Insekten auf nassem Schweiss.


Panjim ist leider laengst nicht so touristenfreundlich wie Arambol; es fuehlt sich hier viel mehr nach Indien an, im wahrsten Sinne. Ich werde nicht nur angestarrt sondern auch angefummelt. Ich verlaufe mich aufs Schlimmste (bemerke es an der Autobahnauffahrt), und werde auf meine Fragen nach dem Weg in immer andere Richtungen geschickt. Fuenf Arschgrabscher und einen hysterischen Ausraster spaeter finde ich endlich ein bezahlbares Guesthouse.


Fuer all den Stress werde ich aber spater am Abend mehr als entschaedigt. Was sich auf dem Schiff zugetan hat, das mich zu Sonnenuntergang ueber den Mandovi schipperte, ...


... lest ihr in der Fortsetzung. ;)