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| Das Dach des Übels... |
Meine erste Yogastunde war schmerzhaft erfrischend und auch ein bisschen peinlich. Den Yogalehrer habe ich bereits am Montagabend kennen gelernt, er wohnt in der gleichen Anlage wie ich. Der gute Mann hat mich sofort unter die Lupe genommen - Knieprobleme, Schulterschmerzen, Rücken, psychische Unausgeglichenheit und mit ca. 12 hatte ich Probleme im Bauchbereich. Das alles erzählt er mir, nachdem er ein bisschen auf meinem großen Zeh rumgedrückt hat. Scharlatan, denke ich noch, während er wissend auf meine Hühneraugen blickt, und lächerlich das alles, aber seine Diagnosen geben ihm recht. Also bitteschön, ich solle doch um 9 Uhr früh zu seinem Yogakurs kommen.
Während sich die anderen Kursteilnehmer in einem kollektiven Om auf die Stunde vorbereiten, stellt Mahi mich auf zwei Holzblöcke, wirft mir Schnüre über die Schultern, verknotet sie am Hals und spannt sie fest unter meine auf den Blöcken stehenden Füße. Es muss furchtbar dumm aussehen, wie ich da kerzengerade und gefesselt versuche, das Gleichgewicht zu halten. Traue mich auch nicht nach dem Warum zu fragen und überhaupt, was das alles soll. Nach fünf Minuten schnüren die Bänder mir bereits das Blut in den Armen ab und ich rechne fest damit, die ganze Stunde hier so stehen zu müssen. Aber mit dem letzten Om werde ich von meinen Sockeln geholt und darf endlich so sein wie alle anderen. Vielen Dank für dieses Vorführen, ich schäme mich für mein sich-lustig-machen. Ich war der Star in der Comedyserie.

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